07. Januar 2015 · Kommentare deaktiviert für Erste WM-Teilnahme einer deutschen Mannschaft beim Amputierten Fussball und unser Christian Heintz war dabei! · Kategorien: Archiv

Als uns Anfang Oktober doch noch völlig unerwartet eine Einlandung des Amputierten Fussball Weltverbandes (WAFF) zur Weltmeisterschaft in Mexico erreichte, empfing man dies im deutschen Team eher mit gemischten Gefühlen. Zum Einem war die Freude riesig, sich bei einer WM mit den besten Teams der Welt messen zu dürfen. Zum Anderen war die große Ungewissheit aufgrund der fehlenden finanziellen Mitteln seitens des 1. Amputierten Fussball Club Deutschlands(1.AFC).

Heintzi

Christian Heintz 1. von rechts unten

Denn weil der Verein noch keine Gemeinnützigkeit vorweisen konnte, war eine Finanzierung der Flugkosten seitens der Sepp-Herberger-Stiftung(Institution des DFB) nicht möglich. Zwar hätte diese Institution dem 1.AFC gerne geholfen, doch deren Satzung verbietet es nunmal Gelder an nicht gemeinnützige Vereine zu spenden.

So startete die Mannschaft über verschiedene Medien und persönliche, schriftliche Anfragen unzählige Spendengesuche. Besonders sind hierbei Lars Wurst, Erik Bayer und Christian Heintz zu erwähnen! Auch nach vielen negativen Antworten und Absagen, blieben sie hartnäckig am Ball, investierten großen, persönlichen Einsatz und wurden kurz vor “Toreschluss“ doch noch belohnt: Denn zwei Wochen vor WM-Beginn konnte schließlich Dirk Zelle aus Berlin, mit seiner Firma ATB, als erster großer Spender gewonnen werden! Seine Zusage gab der deutschen Truppe die entscheidende Planungssicherheit, wodurch die endgültige WM-Zusage an den Weltverband getätigt werden konnte. Danach folgten auch die BVB-Stiftung “leuchte auf“ und die DFL-Stiftung dem Beispiel von Herrn Zelle und unterstützten die deutschen Einbeiner mit einer großzügigen Spende. Zudem wurde die “Crowdfounding-Aktion“ im Internet ebenfalls erfolgreich gestaltet. Hierbei galt es die Masse vom “Mexico-Projekt“ zu überzeugen und dadurch viele finanzielle Unterstützer zu gewinnen.

Also galt es nun innerhalb von 10 Tagen die notwendigen Flugtickets zu buchen. Hierbei erwies sich die Ernennung des ehemaligen Top-Torjägers der Verbandsliga Rheinland, Thomas Borsch aus Ellscheid, zum Delegationsleiter als wahrer Glücksgriff! Fachkundig und mit aller Souveränität ausgestattet organisierte Borsch im Hand umdrehen alle notwendigen Formalitäten. Somit stand dem Abflug am 28.November Richtung Culiacan, Mexico nichts mehr im Wege.

Nach der Ankunft am Samstag den 29. November stand erstmals eine Trainingseinheit auf dem Programm. Schließlich war es notwendig die langen Reisestrapazen aus den Knochen zu schütteln. Am Sonntag war es dann soweit: Mit breiter Brust und großer Euphorie traf die deutsche Mannschaft um Trainer Michael van de Löcht in Ihrem ersten WM-Spiel auf Haiti. Doch die große Nervosität hatte negativen Einfluss auf das Spiel der Deutschen. Die erste Halbzeit wirkten Wurst & Co sehr ideenlos und zurückhaltend. So waren es die Mittelamerikaner, die zur Pause mit 2:0 führten.
Nach dem Seitenwechsel dann ein komplett anderes Bild: aggressiv, selbstbewusst und leidenschaftlich ging das deutsche Team fortan zu Werke. Dabei konnte man durch ein starkes Kombinationsspiel im Mittelfeld immer wieder gute Torchancen heraus spielen. Doch Reinecke und Heintz mussten an diesem Tag anerkennen, dass der Torwart der Mittelamerikaner einfach nicht zu bezwingen war. So ging die deutsche Mannschaft in ihrem ersten WM-Spiel überhaupt als Verlierer vom Platz.

Am Montag den 1.12. ging es dann im zweiten Gruppenspiel gegen den bis dato amtierenden Vizeweltmeister aus Russland. Im ersten Durchgang kämpfte man zwar verbissen, doch die Russen führten zur Pause verdient mit 2:0. Nach dem Seitenwechsel zeigten die Osteuropäer dann ihre gnadenlose Effizienz. So verwertete das Team um Trainer Ivan Ivanokov fortan jede Torchance und siegte letztendlich mit 7:0. Also ging es einen Tag später im letzten Gruppenspiel für die Deutschen um Alles oder Nichts. Dort traf man auf die spielerisch starken und körperlich robusten Kenianer. In der 7. Spielminute war es dann soweit: durch einen gefühlvollen Heber aus 16 Meter markierte Marco Reinecke aus Berlin den ersten deutschen WM-Treffer überhaupt! Doch nur fünf Minuten später folgte die kalte Dusche: Nachdem Stammtorhüter Leszinski bei einer Rettungsaktion den Strafraum verließ, wurde dies folgerichtig mit der roten Karte und einem Elfmeter geahndet. Diese Chance ließen sich die Afrikaner nicht nehmen und glichen zum 1:1 aus. Kurz vor der Halbzeit musste dann auch der kenianische Spielführer mit gelb-rot vorzeitig unter die Dusche. Nach Wiederanpfiff agierte die deutsche Mannschaft wesentlich aggressiver. In der 28. Minute nahm dann Marco Reinecke Maß und drosch den Ball aus 20 Metern in den linken Torwinkel zur 2:1 Führung. Fortan erhöhte Kenia zwar den Druck, doch die deutsche Abwehr meisterte diese Angriffswelle mit Bravour. So war es in der 46. Minute Christian Heintz vorbehalten, den vielumjubelten Treffer zum 3:1 zu erzielen. Der Gegner konnte in der 48. Minute dann nochmal auf 3:2 verkürzen. Aber durch eine starke kämpferische Leistung des gesamten Teams wurde somit der erste WM-Sieg eingefahren! Hinzu kam am selben Tag die freudige Nachricht, dass man sich als einer der besten Gruppendritten noch für das Achtelfinale qualifizieren konnte.

Nach einem Ruhetag am Mittwoch ging es dann am Donnerstag, in der Runde der letzten Sechzehn, gegen den Copa America Sieger aus Brasilien. Hier stieß die deutsche Mannschaft dann an ihre Grenzen. Mit der Erfahrung von über 20 Jahren Amputierten Fussball ließen die Kicker vom Zuckerhut nie einen ernsthaften Zweifel daran aufkommen, wer an diesem Tag als Sieger vom Platz gehen würde. Zudem machte sich das Fehlen von Stammtorhüter Leszinski bermerkbar, der nach seiner roten Karte im letzten Gruppenspiel für ein Spiel gesperrt wurde. Somit stand am Ende ein deutlicher 11:0 Erfolg für die Südamerikaner zu Buche.

Im letzten Turnierspiel ging es für die deutsche Truppe darum, mit einem Sieg gegen die USA die WM mit einer Top-Ten Platzierung zu beenden. Doch hier machten sich vor allem die fehlenden Kräfte nach einer langen Turnierwoche bemerkbar. Zwar holte jeder einzelne Spieler nochmal alles aus sich heraus, doch dies reichte nicht aus, um den Amerikanern an diesem Tag auf Augenhöhe zu begegnen. 5:1 hieß es am Ende für die USA. Dabei erzielte Christian Heintz den deutschen Ehrentreffer per Freistoß. Damit belegte die deutsche Mannschaft bei ihrer ersten WM-Teilnahme den 13. Platz in der Endabrechnung(von insgesamt 21 Mannschaften). Trainer Michael van de Löcht zeigte sich sehr zufrieden mit dieser Platzierung:“Wir haben unser Ziel erreicht und haben die Gruppenphase überstanden. Es war klar für uns das wir ab dem Achtelfinale nur noch auf sehr starke Mannschaften treffen können. Doch mit dem 13. Platz sind wir insgesamt sehr zufrieden. Wir haben gesehen das wir in einigen Bereichen noch Nachholbedarf haben und das uns die Weltspitze momentan noch weit voraus ist. Für uns war die WM ein großer Lernprozess und eine wichtige Erfahrung. Darauf werden wir in den kommenden Trainingslehrgängen aufbauen, um unser Team Stück für Stück weiterzuentwickeln.“

Während der gesamten WM präsentierte sich Mexico als offener und fairer Gastgeber. Durch eine im Vorfeld gut organisierte Werbekampagne waren die Spiele im Stadion von Culiacan jederzeit gut besucht. Bei den abendlichen Spielen der Mexicaner zählte man rund 3000 Zuschauer. Am Finaltag pilgerten sogar rund 4000 Fans zum Endspiel.

Ein großes Dankeschön gilt dem Physiotherapeut des deutschen Teams. An allen Turniertagen ließ sich die Mannschaft gerne von Andreas Heimbuch behandeln und war so in der Lage, die kräftezehrende WM-Woche zu meistern. Durchweg positiv machte unser mitgereister Schiedsrichter auf sich aufmerksam. Mit dem ehemaligen Regionalliga und A-Junioren Bundesliga Schiedsrichter Mario Schmidt aus Daun war der ausrichtende Weltverband mehr als zufrieden. So leitete er neben dem Eröffnungsspiel und dem Finale auch all seine anderen Partien sehr souverän und wurde verdient als einer der besten drei Unparteiischen dieser WM ausgezeichnet! Als wahrer “Goldgriff“ erwies sich die Verpflichtung von Thomas Borsch aus Ellscheid als Delegationsleiter. Er organisierte neben den Flügen auch alle anderen wichtigen Dinge vor Ort und überließ dabei nichts dem Zufall. Und auch Trainer Michael van de Löcht leistete hervorragende Arbeit! Somit gilt es nun diese Euphorie mit ins neue Jahr zu nehmen, um dabei weiterhin “Pioniersarbeit“ in Sachen Amputierten Fussball zu leisten.Zwar ist diese Sportart in den nächsten Jahren immer noch nicht im paralympischen Programm vorgesehen und es gibt auch zukünftig KEINE persönlichen, finanziellen Unterstützungen durch Aufnahme in einen Förderkader wie z.B. beim Rollstuhl-Basketball oder Sitzvolleyball, aber die Angliederung an die Sepp-Herberger-Stiftung(Institution des DFB) ist vorrangiges Ziel für 2015. Denn dadurch ist eine essenzielle finanzielle Unterstützung durch den DFB möglich. Hiermit müssten dann zumindest die monatlichen Trainingslehrgänge nicht mehr aus eigener Tasche gezahlt werden. Zudem wäre damit eine “Promotion-Tournee“ nach dem Vorbild der Blinden Fussball-Liga denkbar. Dabei soll in verschiedenen deutschen Städten Werbung für diese Sportart betrieben werden, indem an mehreren Wochenenden im Jahr Kleinfeldspiele an bekannten deutschen Sehenswürdigkeiten ausgetragen werden(Brandenburger Tor Berlin, Schlossplatz Stuttgart usw…).

Wir bedanken auf diesem Wege recht herzlich bei allen Spendern, Supporter und Fans für die große Unterstützung in den letzten Wochen!

Wir wünschen allen alles Gute für 2015 !!

Erster Amputierten Fussball Club Deutschland

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