Sitzballer der BSG Emmelshausen auf Gastspielreise in Ruanda

Fotos: zum größten Teil Jürgen Thiel
Bericht: Holger Voll

Mit Erstaunen hatten wir bei einem Trainingsabend den Besuch des damaligen Vizepräsidenten des ruandischen Behindertensportverbandes, Fred Mugabo, in Begleitung von Nathalie Vanneste und mehreren Vertretern des Behindertensportverbandes (BSV) Rheinland-Pfalz im Frühjahr 2003 zur Kenntnis genommen. Scherzhaft hatten einige unserer Sportler dabei angemerkt, dass wir gerne auch zu einem Gegenbesuch mit einer Mannschaft nach Ruanda reisen würden. Als dann aber in diesem Jahr eine konkrete Einladung ausgesprochen wurde, verließ einige von uns der Mut. Auch wenn das Eingeständnis schwer fällt, eine Reise in das Herz Afrikas anzutreten, ist für körperbehinderte Sportler offenbar doch eine etwas schwierigere Entscheidung. Nachdem wir kurz vor der Abreise noch auf zwei Aktive wegen einer Verletzung und beruflicher Verhinderung verzichten mussten, machten sich schließlich sieben unserer Spieler auf den weiten Weg.

Foto: Unser Team in Ruanda
Holger Voll, Rainer Zender, Gerd Kolberg, Heiko Wiesenthal,
Adolf Grünewald, Winfried Link und Jürgen Thiel
(von links, im Hintergrund der traditionelle Königspalast in Nyanza)

Unterschiedliche Sportart bereitet Kopfschmerzen

Die Lektüre der letzten Ausgabe der Ruanda-Revue informierte uns darüber, dass im Januar 2004 zwei Vertreter des BSV Rheinland-Pfalz einen Lehrgang im Sitzvolleyball veranstaltet hatten. Diese Sportart wird im Gegensatz zum Sitzball in Rheinland-Pfalz gar nicht und in Deutschland gerade einmal von einer Handvoll Mannschaften ausgeübt, während der Sitzball leicht eine dreistellige Anzahl von Teams aufweisen kann und jährlich eine Deutsche Meisterschaft mit 16 Herren- und 7 Damenteams ausgetragen wird. Unsere Spielgemeinschaft Emmelshausen/Koblenz konnte dabei bereits vier Mal den Titel gewinnen, zuletzt im Mai 2004. Bei dem im Juni in der Schweiz veranstalteten Europaturnier sicherten sich schließlich drei unserer Aktiven mit der Deutschen Nationalmannschaft den europäischen Titel.
Aufgrund unserer durchaus beachtenswerten sportlichen Erfolge entschlossen wir uns, den ruandischen Mannschaften in beiden Sportarten als Kontrahent zur Verfügung zu stehen und übten auch kurzfristig das Sitzvolleyball-Spiel ein. Als Gastgeschenke organisierten wir neben mehreren Trikot-Sätzen und Bällen auch Beinprothesen und Gehhilfen, welche wir dem Partnerschaftsverein zur sinnvollen Weiterverwendung übergaben.
Die Anreise erfolgte gemeinsam mit einer jungen Volleyball-Mannschaft aus Ransbach-Baumbach, Herrn Dr. Bleckmann und später auch mehreren Lehrern der Gesamtschule Mainz, mit denen wir während der Reise bald eine prächtige Gemeinschaft bildeten.
Schon am ersten Tag hatten wir die Gelegenheit, die Hauptstadt auf einer Bustour kennen zu lernen. Einer Besichtigung des Kandt-Hauses inklusive eines tollen Panorama-Blickes von der hinteren Terrasse folgte die Begrüßungsveranstaltung im Partnerschaftsbüro.
Bereits beim ersten Abendessen schmolz das Eis zwischen allen Beteiligten relativ schnell und angesichts der ausgelassenen Stimmung wussten wir, dass uns eine sehr angenehme Reise bevorstehen würde.

Überwindung der Grenzen durch gemeinsamen Sport

Foto: Nach dem Training in Butare.

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts reisten wir nach Butare. Das mit Spannung erwartete erste gemeinsame Training fand bereits in den Abendstunden in einer Sporthalle auf dem Gelände der Universität statt. Unsere Trainingspartner sprachen teilweise Französisch, Englisch und natürlich Kinyarwanda. Glücklicherweise hatten wir unsere Nathalie Vanneste dabei, die uns die Kommunikation bis zu dem Punkt an dem der Ball ins Spiel kam, ermöglichte. Danach lief wie zuhause im Vorderhunsrück alles wie von selbst. Die Sprache des gemeinsamen Ballspiels benötigt scheinbar überall auf der Welt keinen Dolmetscher und der Behindertensport überwindet scheinbar besonders schnell die Hemmnisse körperlicher, sprachlicher und kultureller Art. Der mit rotem Sand reichlich bedeckte Hallenboden sorgte zwar für eine etwas farbenprächtigere Gestaltung unserer Trikots und erschwerte das Rutschen, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Erst die Abenddämmerung und das Fehlen einer Hallenbeleuchtung bzw. des dafür nötigen Stroms sorgten für das Ende des Trainings.
Am nächsten Tag maßen wir uns mit den Aktiven des HVP Gatagara sowohl in einem Sitzvolleyball-Match, als auch im Sitzball vor Publikum in der gleichen Halle. Der große Erfolg dieser Veranstaltung war das entstandene Gemeinschaftsgefühl beim Sport, nicht der nur nachrichtlich zu erwähnende Sieg im Sitzvolleyball (2:0 nach Sätzen) und die wohl erstmalige Demonstration unseres innig geliebten Sitzballsports mit gemischten Teams auf dem afrikanischen Kontinent. In einem Gefühl jugendlichen Überschwangs fand sich auch das Team aus Ransbach-Baumbach zu einem Match im Sitzball bereit, über das Resultat wollen wir jedoch zu ihrer Ehrenrettung den Mantel des Schweigens hüllen.

Holzboot in See-Not

Von Butare aus fuhren wir mit unserer gemischten Bus- und Jeep-Kolonne hinauf in den Nebelwald. Hier stand eine 5-Kilometer-Wanderung durch den Wald unter fachkundiger Führung von Herrn Prof. Fischer auf dem Programm, welche den Teilnehmern doch auch ein gewisses Maß an körperlicher Fitness abverlangte. Folglich fuhren diejenigen unter uns, die nicht so sonderlich gut zu Fuß sind, gleich in Richtung Südosten nach Cyangugu am südlichen Ende des Kivu-Sees. Hier zeigte sich wieder einmal, wie toll es doch war, Nathalie Vanneste dabei zu haben. Nicht nur, dass das Peace Guest House der Anglikanischen Kirche einen malerischen Ausblick inklusive eines unvergesslichen Sonnenuntergangs  über den Kivu und hinüber nach Bukavu in den Kongo bot. Nach einem abendlichen Empfang beim Präfekten der Provinz, konnte Nathalie sogar eine Bootstour über den Kivu für den nächsten Morgen organisieren.

Sonnenuntergang am Kivu-See
(Blick aus unserem Zimmer)

Frohgemut machten wir uns denn auch zum örtlichen Stützpunkt der südruandischen Marine auf, wobei wir dann konstatieren mussten, dass die gewaltige Flotte aus einem Holzboot und zwei Schlauchbooten bestand. Die weniger Mutigen unter uns entschieden sich für das Holzboot, was sich allerdings als fatale Entscheidung herausstellen sollte. Nach wenigen hundert Metern musste der bewaffnete Bootsführer im schicken Tarnanzug das Boot jedenfalls an ein sicheres Ufer lenken, da sich relativ schnell schon eine gute Ladung frischen Seewassers im Kiel gestaut hatte. Zur allgemeinem Belustigung und mit der Parole Behinderte und Frauen zuerst, stiegen einige von uns sofort in die herbeigekommenen Schlauchboote um, die danach auch schon ein bisschen tief im Wasser lagen. Wir ließen die restlichen Passagiere in dem sicheren Glauben zurück, sie würden mit dem niedrigeren Gewicht den rettenden Hafen schon irgendwie erreichen. Nach einer kurzen Fahrt im Schlauchboot überholte uns zu unserem großen Erstaunen der hölzerne Kahn jedoch wieder.
Später erfuhren wir unter großem Gelächter, dass ein Passagier glücklicherweise eine Packung Kaugummi dabei hatte. Diesem Umstand verdanken wir, dass die Bootstour über den Kivu letztlich eine lustige Seefahrt war und nicht buchstäblich ins Wasser fiel.
Jedenfalls hatten wir auf der Rückfahrt in die Hauptstadt jede Menge zu erzählen

Foto: Bootsausflug

 

Vom Gefühl, in Afrika angekommen zu sein

Im Rahmen unseres Aufenthaltes lernten wir bei den Fahrten quer durch das Land die überwältigende Landschaft Ruandas kennen und lieben. Ständig wechselnde Landschaften und vielfältige Formen der Besiedelung sorgten alsbald für Probleme mit der Kapazität der Speicherkarten unserer Digitalkameras. Eher landwirtschaftlich orientierte Mitfahrer jedoch zeigten sich lautstark angetan vom Paarungsverhalten der Ziegen am Wegesrand.
Und ständig ertönte der Ruf Muzzungu, Muzzungu (Bezeichnung der Ruander für Weiße) der winkenden Kinder vom Straßenrand, der zu unserem ständigen Begleiter auf dieser Reise wurde. Als uns dann einmal zwei weiße Fußgänger im Straßengraben auffielen, riefen wir ihnen dann auch ein fröhliches Muzzungu entgegen. Unser Busfahrer wird uns wohl auch sobald nicht vergessen.

Unser Sportfreund Jürgen Thiel rskiert ein Auge,
beim Versuch die gut getarnten Tiere zu fotografieren.

Gleichfalls werden der Fahrer und wir die Fahrt durch den Akagera-Nationalpark in Erinnerung behalten. Nachdem wir kurz nach 4 Uhr in der Frühe in Kigali losgefahren waren, landeten wir so gegen fünf Uhr auf einer Sand- und Buckelpiste, die in den Park führte und uns die restliche Wegstrecke durch den Park erhalten bleiben sollte. So oder so ähnlich hatten wir uns Afrika vorgestellt, jetzt waren wir dort angekommen. Ein Wildführer begrüßte uns am Eingang des Parks und begleitete uns die ganze Route über. Glücklicherweise hatte er ziemlich scharfe Augen, denn sonst hätten wir die vielen Giraffen erst gar nicht bemerkt, die sich in den Bäumen richtig gut versteckt hatten. Da diese aber nicht ganz so scheu waren, konnten wir nach einiger Zeit einen guten Blick auf sie erhaschen. Ja, einige von uns näherten sich auch außerhalb der Busse auf eine günstige Fotodistanz den langhalsigen Tieren. Leichter auszumachen waren die vielen Nilpferde in den Seen, die sich auch wenig von unserer Anwesenheit beeindrucken ließen. Die ebenfalls zahlreich vorhandenen Affen freuten sich sehr über unsere Ankunft und die mitgebrachten Bananen.

Nach einigen Stunden des Geruckels im Bus legten wir an einem wunderschönen Aussichtspunkt ein reichhaltiges Picknick ein, welches wir kurz vor dem Aufziehen einer Regenfront beendeten. Im Gegensatz zu uns tat dem Bus die Ruhepause nicht sonderlich gut, jedenfalls ging er kurz nach der Pause mitten auf der roten Sandpiste, zwei Wegstunden vom Ausgang entfernt, aus. Nach kurzer Beratung, Anschiebeversuchen und der Feststellung, dass in dieser Gegend kein Handy funktionierte, mussten wir eine schwere Entscheidung treffen. Zu unserem Glück fanden sich die Volleyballer aus Ransbach-Baumbach bereit, dem ungewissen Schicksal, der Dunkelheit und der Wildnis zu trotzen. Der ein oder andere von ihnen war sogar regelrecht erfreut über das unverhoffte Abenteuer. Wir ließen jedenfalls unsere Jacken und die Verpflegung bei ihnen zurück und fuhren mit den restlichen Jeeps und dem verbliebenen zweiten Bus dem rettenden Ausgang entgegen. Was angesichts des jetzt einsetzenden strömenden Regens und den roten Schlammbächen der Sandpiste auch zu einer richtigen Rallye-Fahrt wurde. Das einzige Opfer dieser Fahrt war denn auch ein Huhn, welches bei der Heimfahrt nach Kigali fahrlässigerweise einem Jeep in den Weg sprang.

Foto: Panorama-Blick von unserem Picknick-Platz

Unsere Kameraden sahen wir erst am nächsten Tag gesund und vollzählig in Kigali wieder. Sie hatten nach der „Rettung“ durch einen Pick-Up der Wildhüter noch eine Nacht im Hotel am Akagera Park verbracht und uns noch einiges zu berichten.

Flüchtige Begegnungen am Wegesrand

Bei den langen Fahrten über Land ging es aber auch nicht immer so lustig und fidel zu.
Wir wurden am Wegesrand auch mit dem Anblick von schwerbehinderten bzw. verstümmelten Menschen konfrontiert, der uns glücklich schätzen ließ, die gute medizinische und prothetische Versorgung in Deutschland zu genießen. So hatte schon an Tage unserer Ankunft ein doppeloberschenkelamputierter Mann auf dem Hintern sitzend und mit zwei Sandalen an den Händen neben dem Reisebus auf der Strasse einen Hang erklommen. Neben der Strasse machte ich kurz vor Gisenyi ein Foto einer Frau, die sich auf ihren Knien im Straßengraben fortbewegte. Man kann sich wohl unschwer denken, welche Emotionen dies bei behinderten Sportlern auslöst, denen ein ähnliches Schicksal durch die moderne Technik erspart bleibt.

Foto: Doppelamputierte Frau im Straßengraben.

Fröhliche, ernste und offizielle Termine

Ähnlich bewegend war neben den Fahrten auch der Besuch im Kindergarten La Promise in Gisenyi, der durch eine großzügige Spende des Innenministers Walter Zuber eingerichtet werden konnte. Scheu betrachteten uns die Kleinen und waren wohl auch erstaunt, dass so viele Fremde und dann auch noch welche mit Krücken und teilweise auch ohne Beine extra wegen ihres Kindergartens von so weit hergekommen waren. Nach zahlreichen Vorführungen und Liedern der Kinder sangen sie uns auch noch ein Abschiedslied. Nach kurzem Bedauern angesichts der Tatsache, dass wir keine Lieder einstudiert hatten, stimmte aber ein Mitglied eines Hunsrücker Gesangsvereins ein Auf Wiedersehen, Auf Wiedersehen, bleib nicht solange fort an. Trotz der mangelnden Textsicherheit bei vielen von uns, waren die Kinder sichtlich erfreut angesichts der erstmals von Muzzungu in ihrem Kindergarten aufgeführten Sangeskunst. Wir jedenfalls können anderen Besuchsgruppen nur empfehlen, ein passendes Lied z.B. auf den ausreichend Zeit bietenden Busfahrten einzuüben.
In Kigali wieder angekommen, besuchten wir mit gemischten Gefühlen das dortige Genozid-Museum. Üblicherweise kennt ein deutscher Besucher bereits ähnliche Gedenkstätten aus der Geschichte unseres eigenen Landes. Es ist aber schon ein Unterschied, ob man vor den geschlossenen Gräbern eines tausendfachen Mordes steht, oder ob man zu einer Gedenkstätte kommt, in der immer noch verborgen gebliebene Leichen eines Völkermordes bestattet werden. Das Thema des Genozids war bei unserem überwiegend fröhlichen Aufenthalt bisher bewusst oder auch unbewusst nur am Rande gestreift worden. Hier wurden wir jedoch mit dem gewaltigen Ausmaß der Tragödie konfrontiert und es wurde uns augenscheinlich, dass die Wunden des Konflikts noch nicht verheilt sind. Leider konnten wir nach diesem Besuch nur feststellen, dass uns angesichts eines anschließenden Termins  zu wenig Zeit für das Museum geblieben war. Die Beschäftigung mit diesem Teil der noch frischen Geschichte des Landes sollte ein fester Bestandteil einer solchen Reise sein.

Im Vorfeld der abschließenden sportlichen Begegnung im Volleyball-Stadion in Kigali, waren wir zu einem Empfang beim frischgebackenen Minister für Sport, Jugend und Kultur, Joseph Habineza, in seinen Räumen im Fußballstadion eingeladen. Nach einigen freundlichen Worten der Begrüßung und der Erläuterung der vielfältigen Problembereiche seines Amtes, antwortete ihm unser Delegationsleiter Ewald Dietrich vom Partnerschaftsverein.Er nutzte die Gelegenheit, auf den großen Sport-Event am Folgetag im benachbarten Volleyball-Stadion hinzuweisen, worauf der Minister sein Kommen zusagte.

Foto: Im Rahmen dieses Empfangs übergaben wir auch den mitgebrachten Wimpel des Behinderten-Sportverbandes Rheinland-Pfalz und einen Wappenteller der Gemeinde Emmelshausen an den Minister.

Showdown im Stadion

Nachdem uns mit Ausnahme der Akagera-Episode ständig eine günstige Sonne beschieden war, fing es ausgerecht am Mittag vor dem gemeinsamen Training im Volleyball-Stadion zu regnen an. Bei unserer Ankunft hatte der Platz-Regen das Feld jedenfalls reichlich unter Wasser gesetzt. Das gemeinsame Training fand dann zuerst einmal in einer Mischung aus Umkleidekabine und Besprechungsraum statt. Ein einseitig oberschenkelamputierter Radfahrer hatte schließlich extra 30 km auf seinem Rad zurückgelegt, um mit uns trainieren zu können.
Die Schlechtwetterfront blieb uns leider auch am nächsten Morgen erhalten. Bereits beim Einspielen öffnete der Himmel abermals seine Schleusen. Wir aber waren mit Sicherheit nicht den weiten Weg aus dem Hunsrück gekommen, um uns hier von einer etwas erhöhten Luftfeuchtigkeit schrecken zu lassen. Nach dem der Regen etwas nachgelassen, schickten wir einen erfahrenen Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Emmelshausen zum Großreinemachen aufs Feld und die Sonne sorgte während des Spiels dann für den Rest.
Diesmal sollten wir es aber mit einem stärkeren Gegner als noch in Butare zu tun bekommen.
Die Kulisse im Stadion sorgte denn auch für ein kampfbetontes Spiel. Zuerst war jedoch wieder das ungeliebte Sitzvolleyball an der Reihe. In einem jederzeit offenen ersten Satz verloren wir schließlich mit 22:25, was für allgemein ausgelassene Stimmung bei unserem Gegner und den Zuschauern sorgte. Unsere Delegation feuerte uns denn auch mit einem Jalla, Jalla Muzzungu an.  Wir fühlten uns daraufhin bei der Ehre gepackt und konnten die beiden nächsten Sätze mit 25:16 und 25:13 für uns entscheiden.
Danach gab es die heiß ersehnte Premiere: Outdoor-Sitzball unter der mittlerweile brennenden Sonne Ruandas. Hier waren natürlich unsere ruandischen Freunde mangels Übung im Nachteil, den wir aber durch eine Mischung der Teams auszugleichen versuchten.
Letztlich waren die Ergebnisse jedoch wirklich ohne Belang, der wichtigste Erfolg wurde durch die Präsentation von Behindertensport vor einer breiten Öffentlichkeit verbucht. Auch konnten unsere ruandischen Mitspieler insbesondere in Anwesenheit des ruandischen Sportministers zeigen, dass sie trotz ihrer Behinderung zu hervorragenden sportlichen Leistungen fähig sind.
Nachdem unsere befreundeten Volleyballer leider ihr Match gegen eine gut eingestellte Auswahlmannschaft verloren hatten, stellten Sie sich noch spontan für ein Match gegen die ruandische Standvolleyball-Nationalmannschaft der Behinderten mit der personellen Verstärkung unseres Aktiven Heiko Wiesenthal zur Verfügung. Trotz der tapferen Gegenwehr der Standvolleyballer ging das Team aus Ransbach-Baumbach als Sieger vom Feld.

Was bleibt?

Wer einmal Behindertensport gesehen hat, weiß, dass unser Sport nicht mit der Aktivität von anderen Sportlern zu vergleichen ist. Zuerst fällt es den Neuen immer relativ schwer, ihre Behinderung nach außen hin zu zeigen und sich dabei auch noch auf den Boden zu setzen. Das Selbstvertrauen kommt dann immer erst nach der Erkenntnis, zu welcher Leistung man trotz Handicap in einem mannschaftlichen Miteinander fähig ist. Das sich bald entwickelnde Gemeinschaftsgefühl trotz unterschiedlichster Behinderung kann hier z.B. das Nicht-Vorhandensein einer gemeinsamen Sprache ersetzen.
Zu hoffen bleibt, dass nach dem ersten Anstoß durch den Partnerschaftsverein, den Behinderten-Sportverband Rheinland-Pfalz und jetzt auch durch uns, unseren ruandischen Freunden die Gelegenheit gegeben wird, diesen Sport weiter auszuüben und noch mehr Behinderte zum Sport hinzuführen. Wir würden uns jedenfalls aufrichtig darüber freuen, die ruandischen Sportler z.B. bei der Sitzball-Europameisterschaft 2005 in Emmelshausen begrüßen zu dürfen.

 

Hier der Bericht im Ruanda Revue 01/2005

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