10. November 2008 · Kommentare deaktiviert für Die SG Emmelshausen/Bad Kreuznach gewinnt den Weltcup 2008 in Ruanda · Kategorien: Allgemein, Sitzball · Tags:

Die Behindertensportler aus Emmelshausen und Bad Kreuznach haben unter sehr ungewöhnlichen Rahmenbedingungen auch den zweiten Sitzball-Weltcup in der ruandischen Hauptstadt Kigali gewonnen. An der Veranstaltung am 7. und 8. November  im Kleinen Amahoro Stadion nahmen außer dem Deutschen Meister der SG Emmelshausen/Bad Kreuznach auch der Deutsche Vizemeister aus Pforzheim, sowie Nationalteams aus der Schweiz, Ruanda, Burundi, Uganda und zu aller Überraschung auch aus der Demokratischen Republik Kongo teil. Den kongolesischen Behindertensportlern, die zum größten Teil aus der Krisenregion Goma stammen, gelang die Anreise trotz der teilweise katastrophalen Situation im ruandisch-kongolesischen Grenzgebiet.

Vor dem Weltpokalturnier waren die Behindertensportler durch ein breites Medieninteresse überrascht worden. Am Donnerstagabend fand eine Pressekonferenz mit zentralafrikanischen Medienvertretern und den Mannschaftskapitänen statt. Das ruandische Fernsehen strahlte Werbespots mit Spielszenen des letzten Weltcups aus, die mit einer eigens komponierten Hymne zum Event unterlegt waren.

Audio: Sitzball beim SWR 4

Zur Überraschung der angereisten Sportler wurde diese vor Turnierbeginn mitsamt einer Tanzgruppe live auf einer Bühne dargeboten, was die Kulisse entsprechend auf den Event vorbereitete. Im Kontrast dazu stand eine bewegende Eröffnungsfeier, in der die afrikanischen Teams teilweise ihre Hymnen selbst ohne Musikbegleitung sangen.

Das Eröffnungsspiel gestalteten Ruanda und Uganda, wobei die Gastgeber mit 31:13 deutlich gewannen. Für das Team aus Emmelshausen/Bad Kreuznach ging es zu Anfang gleich gegen das offensichtlich noch von den Reisestrapazen geschwächte Team aus dem Kongo.

Das Endergebnis war folgerichtig mit 37:10 sehr deutlich. Sofort nach der Partie schenkten die Sitzballer den Kongolesen mehrere Sportartikel, nach der Veranstaltung gingen fast alle Ausrüstungsgegenstände und diverse Gehstützen der deutschen Sportler an die Kongolesen, die diese offensichtlich mit großer Freude entgegen nahmen.

Die Spiele gegen Burundi (33:21) und die VSG Pforzheim (30:20) waren ein deutliches sportliches Signal für den folgenden zweiten Turniertag. Enttäuschend für die Zuschauer im Stadion war die knappe Niederlage des ruandischen Nationalteams gegen die Schweiz mit 21:22 am späten Freitagabend.

Am Samstag bildeten die Begegnungen gegen Uganda (31:18) und Ruanda B (34:20) einen guten Auftakt in den entscheidenden Turniertag für die Rheinland-Pfälzer. Nach der Mittagspause ging es dann in das mit Spannung erwartete Match zwischen den Gastgebern und dem Titelverteidiger aus Emmelshausen/Bad Kreuznach. Die stark verbesserten Ruander hatten sich schließlich vor dem Turnier große Hoffnungen auf den Titelgewinn gemacht und sich eine Taktik mit einem zusätzlichen Offensivspieler ausgedacht. Mit einer Kombination aus einer starken Blockarbeit und einer sehr gut funktionierenden Abwehr gaben die Rheinland-Pfälzer den Ruandern unerwarteter Weise nicht den Hauch einer Chance, das Ergebnis von 36:19 entsprach auch in dieser Höhe dem Spielverlauf. Zum Vorrunden-Abschluss hatte ein 29:18 gegen die Schweiz nur noch nachrichtlichen Wert.

Es galt nun den Endspielgegner zu ermitteln. Im allerletzten Match der Vorrunde trafen Ruanda A und die VSG Pforzheim aufeinander. Das Klassement wollte es bis zu diesem Zeitpunkt so, dass ein Sieg mit 4 Punkten Differenz den Ruandern noch zum Finaleinzug verhelfen konnte. Von Anfang an lagen die Ruander in Führung, zwei Minuten vor Schluss sogar mit 3 Punkten Vorsprung! Allerdings sollte es auch dieses Mal nicht reichen und ein 24:23-Sieg wurde zwar vom Publikum gefeiert, reichte aber „nur“  zum kleinen Finale um Platz 3.

Hier ging es für die Ruander abermals gegen die Schweiz. Mit einer überzeugenden Leistung gelang es den Gastgebern wenige Minuten vor Schluss mit 22:14 in Führung zu liegen, da kamen aber zum wiederholten Male die Nerven ins Spiel. Sieben (!) Fehler in Folge brachten die Schweizer zurück ins Spiel und es stand wenige Sekunden vor dem Abpfiff nur noch 22:21 für die Ruander. Entscheidend war dann ein Ausball eines schweizerischen Angreifers, der zu einer umfeierten Bronzemedaille der Ruander führte.

Mitten in die turbulenten Feierszenen geriet die Vorbereitung des rein deutschen Endspiels. Die Pforzheimer wollten die deutliche Niederlage des Vortags mit aller Macht wieder wettmachen, doch die SG Emmelshausen/Bad Kreuznach war an diesem Tag nicht zu schlagen. Das 27:21 war schließlich zwar der knappste Sieg des neuen und alten Titelträgers bei diesem Turnier, aber auch in dieser Höhe verdient und nicht gefährdet.

Bei der direkt anschließenden Siegerehrung erhielten die Turniersieger nicht nur die Goldmedaillen und den Pokal, sondern auch noch persönliche Auszeichnungen. So wurde Teamkapitän Holger Voll zum besten Spieler des Turniers und Wolfgang Christ zum besten Angreifer gewählt. Weiter für das Team am Ball waren Christoph Seimetz, Georg Reuter, Jürgen Thiel, Rainer Zender, Adolf Grünewald und Alfred Ludwig.

Teamkapitän Voll sagte hierzu: „Natürlich freuen wir uns über diesen Titel, aber wichtiger und bleibender ist der ungeheure Aufschwung unserer Sportart in dieser Region. Die unglaubliche Spielfreude und der sportliche Ehrgeiz unserer afrikanischen Freunde wird uns vor allen anderen Dingen in Erinnerung bleiben.“

 

Im Rahmen der Abschlussfeier kündigten auch folgerichtig die ugandischen Sportler an, den nächsten Sitzball-Weltcup im Jahre 2010 austragen zu wollen. Vielleicht wird es bis dahin gelingen, noch weitere afrikanische Teams für die Behindertensportart Sitzball zu begeistern.

Montag, 10. November 2008

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