02. November 2002 · Kommentare deaktiviert für SG Emmelshausen/Bad Kreuznach siegt bei Sitzball-Weltcup in Kigali / Ruanda · Kategorien: Allgemein, Sitzball · Tags:

Die Behindertensportler der Spielgemeinschaft Emmelshausen/Bad Kreuznach waren im Kleinen Amahoro-Stadion in Kigali am Ende die Sieger bei einem euro-afrikanischen Starterfeld, welches bisher einzigartig in der Geschichte des Behindertensports sein dürfte.

Mit dabei waren außerdem der amtierende Deutsche Meister, die VSG Pforzheim, die Schweizer Nationalmannschaft, sowie erstmals die Nationalmannschaften aus Burundi, Uganda und eine erste und zweite ruandische Nationalmannschaft. Deutsche Meisterschaften im Sitzball gibt es seit 1954, Europäische Sitzballturniere finden seit den Siebziger Jahren jährlich statt. Ein World-Cup-Turnier hatte bisher noch nicht stattgefunden.

Boom im zentralafrikanischen Sitzball

Mit verantwortlich für diesen Boom im zentralafrikanischen Sitzball-Sport dürfte die BSG Emmelshausen sein, die ihre Sportart in Ruanda im Herbst 2004 auf Initiative des Partnerschaftsvereins Rheinland-Pfalz/Ruanda und im Rahmen der Partnerschaft zwischen dem Behindertensportverband Rheinland-Pfalz und dem ruandischen FERHANDIS vorstellen durfte. In der Folge leitete der Kapitän der Emmelshausener Holger Voll einen Sichtungs- und Leistungslehrgang als Trainer der neugegründeten ruandischen Nationalmannschaft, die bereits im Juni 2005 an der Sitzball-EURO 2005 in Emmelshausen teilnahm, aber leider noch sieglos den 12. Platz belegte. Den heimkehrenden Sportlern wurde trotzdem zuhause ein begeisterter Empfang bereitet, wodurch sie dadurch bestärkt wurden, nicht nur der Sportart treu zu bleiben, sondern diese auch in ihre Nachbarländer zu exportieren.

Mehr als nur Sport

Behindertensport war und ist mehr als nur Sport, von Anfang an stand nicht nur der sportliche Wettbewerb, sondern eben auch die Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch die Vermittlung eines gesteigerten Selbstwertgefühls für die behinderten Sportler im Mittelpunkt der Bestrebungen. Dass dieses Erfolgsmodell des Deutschen Behindertensports nun auch im Herzen Afrikas angewendet werden kann, ist den vor Ort tätigen Aktiven des FERHANDIS, dem Partnerschaftsvereins Rheinland-Pfalz/Ruanda, den rheinland-pfälzischen Sportbünden und den Sponsoren und letztlich auch den Sportlern der SG Emmelshausen/Bad Kreuznach zu danken. Mit Hilfe des Erlöses des Weihnachtsmarktstandes und persönlicher Spenden der Sitzballer und einer Kinderkleiderbörse in Emmelshausen, wurden nämlich von den Ruandern Lehrgänge in Burundi, Uganda und Tansania abgehalten.

Das tansanische Team trat bei diesem Weltcup noch nicht an, die anderen Auswahlmannschaften hatten aber bereits eine Spielstärke erreicht, die für das Turnier ausreichend war. Im Laufe des nächsten Jahres sollen mit Hilfe der Gelder des nächsten Emmelshausener Weihnachtsmarktes Lehrgänge im Kongo und in Kenia veranstaltet werden. Am Rande der Veranstaltung wurden zwischen allen Beteiligten auch mögliche Vorgehensweisen zur Verstetigung der Finanzierung dieser Aktivitäten beraten.

Feierliche Eröffnung und bereits gute Kulisse am Freitag

Der Worldcup wurde am Freitag, den 2. November vom ruandischen Sportminister Joseph Habineza feierlich eröffnet, der seiner großen Freude darüber Ausdruck gab, dass erstmals eine so namhafte Veranstaltung in seinem Land stattfinden sollte und dies wörtlich sogar noch vor der Fußball-WM in Südafrika. Nach den Eröffnungsreden und dem Abspielen der Nationalhymnen wurden vor einer ansehnlichen Besucherschar die Spiele ausgetragen.

Die SG Emmelshausen/Bad Kreuznach schlug dabei nacheinander die Schweizer Nationalmannschaft mit 25:19, dann Ruanda I mit 32:20, Uganda mit 35:17, bevor man gegen die VSG Pforzheim mit 22:26 unterlag. Richtig Stimmung kam im überdachten Stadion allerdings immer bei den Auftritten der Ruander auf, die nacheinander die afrikanischen Gegner besiegte und nur dem Schweizer Nationalteam mit 23:25 und den deutschen Teams unterlagen.

Abschluss der Vorrunde und Finalspiele am Samstag

Am Samstagmorgen wurden Burundi mit 34:20 und Ruanda II mit 35:27 geschlagen, womit die SG Emmelshausen/Bad Kreuznach als Zweitplatzierter das Finale am Nachmittag erreichte. Zwischenzeitlich hatten sich Ruanda I und die Schweiz für das kleine Finale qualifiziert. Beide Spiele wurden vor prall gefüllter Tribüne erst nach großem Zeremoniell mit nochmaligem Abspielen der Nationalhymnen der beteiligten Mannschaften ausgetragen.

Nach einem 12:12 zur Halbzeit konnten sich die Ruander in einem starken Finish mit 26:25 durchsetzen, was eine Riesenbegeisterung auslöste, die sich erst mit dem Einrutschen der Finalgegner etwas beruhigte. Lautstark feuerten dann allerdings auch Zuschauer und einheimische Sportler die beiden deutschen Mannschaften an, die sich seit 2002 alle Deutschen Meisterschaften untereinander aufgeteilt haben. Auch hier ging es auf hohem spielerischem Niveau denkbar knapp zu, nach einer 6:2 Führung glichen die Pforzheimer mehrmals aus, konnten allerdings nie in Führung gehen. Zur Pause stand es dann 13:11 für die SG Emmelshausen/Bad Kreuznach.

Bis zum Spielende konnte keine Mannschaft mehr als zwei Treffern davonziehen und in einem Herzschlag-Finale siegte schließlich unter lautstarkem Jubel die SG Emmelshausen/Bad Kreuznach mit 28:27.

So kam es das auf dem Siegerfoto mit der Goldmedaille und der Worldcup-Trophäe die Spieler Heiko Wiesenthal, Rainer Zender, Adolf Grünewald, Katja Marquardt und kniend die Leiterin des Partnerschaftsbüros Rheinland-Pfalz/Ruanda Natalie Vanneste und Mannschaftskapitän Holger Voll die Ovationen der anderen Mannschaften und der Zuschauer entgegen nahmen (siehe Foto). Somit kann letztlich nur die Frage offen bleiben, ob die Sportler aus Rheinland-Pfalz mehr Stolz auf ihren eigenen oder auf den Erfolg der ruandischen Mannschaft und der Veranstaltung empfinden können.

 

 

 

Zeitungsartikel Rwanda Sports

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